Erneute Bombendrohung gegen linkes Wohnprojekt

05.05.2021 Autos im Hof und Möbel werden angezündet, nachts gehen anonyme Bombendrohungen ein: Die Bewohner eines linksalternativen Hauses haben einen bestimmten Verdacht, wer dafür verantwortlich ist.

Ein Schild mit der Aufschrift «Polizei» leuchtet am Eingangsbereich der Polizeistation. Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Gegen ein linksalternatives Wohnprojekt in Berlin-Spandau ist in der Nacht zu Mittwoch erneut eine anonyme Bombendrohung eingegangen. Gefunden wurde aber nichts, wie die Polizei mitteilte. Der oder die Täter könnten aus der rechtsradikalen Szene kommen, die Ermittlungen liegen beim für politische motivierte Taten zuständigen Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA). In der Vergangenheit waren die Bewohner des Hauses mehrfach bedroht worden, es gab auch Brandstiftungen.

Nach Angaben der Polizei meldete sich gegen 0.40 Uhr eine bislang unbekannte Person am Telefon und drohte mit der Explosion eines Sprengsatzes in dem Haus an der Jagowstraße. Die Polizei sperrte die Umgebung ab, räumte das Haus und durchsuchte es. Die rund 35 Bewohner wurden vor Ort von der Feuerwehr betreut. Die Polizei fand keinen Sprengsatz. Nach dem Einsatz konnten die Bewohner wieder zurück in ihre Wohnungen.

Bei dem Wohnprojekt handelt es sich um «Jagow15». Das Projekt ist Teil des «Mietshäuser Syndikats», das ist ein Verbund von über 150 autonomen, selbstverwalteten Mietshäusern, Hausprojekten und Projektinitiativen in ganz Deutschland. In Berlin gibt es insgesamt 20 solcher Wohnprojekte.

Laut Polizei stand das Haus in der Vergangenheit schon mehrfach im Fokus krimineller Handlungen. Anfang April hatten unbekannte Täter im Hausflur Möbel, darunter ein hölzernes Küchenregal sowie ein Sofa, angezündet. Mieter löschten das Feuer. Ein 21-jähriger Mieter sprang aus einem Fenster im ersten Stock, um sich zu retten. Er wurde leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Zuvor waren Schmierereien mit einem rechtsextremen Hintergrund im Haus entdeckt worden.

Mitte April wurden zwei alte Autos im Innenhof angezündet und von dem Feuer zerstört. Ein Carport aus Holz und ein Schuppen brannten ebenfalls ab. Die Polizei schloss einen politisch motivierten Brandanschlag nicht aus. Kurz danach gab es eine Bombendrohung.

Die Bewohner erklärten daraufhin in einer Mitteilung: «Wir sind geschockt davon, wie organisiert unser Haus terrorisiert wird. Die Geschehnisse der letzten Tage stärken die Vermutung, dass hinter den Angriffen eine rechtsextreme Koordination steht.» Weiter hieß es: «Das Vorgehen der Täter ist bekannt. Egal ob im Neukölln-Komplex, beim NSU 2.0 oder jetzt in Spandau. All diese Anschläge sind skrupellos und nicht hinnehmbar.»

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