Berlin stoppt Astrazeneca-Impfungen für unter 60-Jährige

31.03.2021 Berlin impft Menschen unter 60 Jahren erst einmal nicht mehr mit Astrazeneca. Dies gilt laut der Gesundheitssenatorin als Vorsichtsmaßnahme. Für sie gibt es Gründe.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Fabian Sommer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Land Berlin hat die Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff des Herstellers Astrazeneca für Menschen unter 60 Jahren vorerst ausgesetzt. Das Impfen damit in Impfzentren, Krankenhäusern und auch Arztpraxen sei vorsichtshalber eingestellt worden, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag und verwies auf neue Daten über Nebenwirkungen. In Deutschland waren mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Astrazeneca-Impfung gemeldet worden. Auch Brandenburg und andere Orte reagierten mit einem vorläufigen Impfstopp.

Am Abend beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern dann, dass der Impfstoff von Astrazeneca ab diesem Mittwoch in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden solle. Unter 60-Jährige sollen sich «nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung» weiterhin damit impfen lassen können. Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Impfung mit Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahren, wie die Expertengruppe am Dienstagabend mitteilte. Zur Zweitimpfung von Menschen, die bereits die erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine Empfehlung abgeben.

«Wir haben in Berlin noch keinen schweren Fall von Nebenwirkungen, Gott sei Dank», betonte die Gesundheitssenatorin am Dienstag. Das Präparat biete einen sehr guten Impfschutz. «Dieser Impfstoff sichert, dass man keine schweren Krankheitsverläufe hat», betonte sie. Trotzdem müsse man vorsichtig sein und die Beratungen auf Bundesebene abwarten.

Auch die landeseigenen Kliniken Charité und Vivantes in der Hauptstadt stoppten bis auf Weiteres die Astrazeneca-Impfungen mit Verweis auf Fälle von Hirnvenenthrombosen in Deutschland. Die Aussetzung dieser Impfungen galt bei den Kliniken zunächst für Frauen unter 55 Jahren. Beide Kliniken haben den Stopp inzwischen ebenfalls auf Menschen unter 60 Jahre ausgedehnt.

Deutschland und zahlreiche andere Staaten hatten die Impfung mit dem Astrazeneca-Stoff im März vorübergehend ausgesetzt, weil mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet worden waren. Der Impfstoff wurde dann wieder verabreicht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema hatte die Sicherheit des Vakzins bekräftigt, auch die Ständige Impfkommission in Deutschland hatte sich für einen weiteren Einsatz den Mittels ausgesprochen.

Der Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen hatte bereits am Montag die Corona-Schutzimpfung von Frauen unter 55 mit dem Wirkstoff von Astrazeneca vorläufig gestoppt. Nachdem eine geimpfte Frau (47) vergangene Woche gestorben war, sei dem Kreis nun der Verdacht auf «eine schwerwiegende Erkrankung» einer 28-Jährigen nach der Impfung mit Astrazeneca gemeldet worden, hieß es. Beide hatten laut Kreis eine Sinusvenenthrombose erlitten.

In Deutschland sind bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekannt, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Dienstag berichtete. Bis Montagmittag (29.3.) waren dem Institut 31 Fälle gemeldet worden; in 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen war der Ausgang tödlich, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete.

Mit Ausnahme von zwei Fällen betrafen laut PEI alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren 36 und 57 Jahre alt. Laut dem Impfquoten-Monitoring des Robert Koch-Instituts wurden bis einschließlich Montag 2,7 Millionen Erstdosen und 767 Zweitdosen von Astrazeneca geimpft.

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