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Scharrenbach will mehr Frauen in Führungsetagen

08.03.2021 - Frauen und Führungspositionen - da geht auch in Nordrhein-Westfalen noch mehr. Am Internationalen Frauentag legt das Land den ersten Gleichstellungsatlas vor. Wäre es nicht wieder Zeit für eine Ministerpräsidentin in NRW?

  • Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Nordrhein-Westfalen sollen nach Ansicht von NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach mehr Frauen in die Chefetagen der Regierung und bei Behörden kommen. Aber auch in zukunftsträchtigen IT-Berufen dürften Frauen nicht abgehängt werden, sagte die CDU-Politikerin am Montag. Sie legte den ersten Gleichstellungsatlas für das bevölkerungsreichste Bundesland vor - und machte klar: Bis 2025 müssten die Führungspositionen in der Landesverwaltung paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sein. Das müsse die «neue Normalität» werden - und gelte im übrigen auch für die nächste NRW-Landesregierung.

Einige Details aus dem Gleichstellungsatlas:

REGIERUNG: In der derzeitigen CDU/FDP-Landesregierung gibt es acht Minister und vier Ministerinnen. Die frühere SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte in ihrem ersten Kabinett 2010 gleich viele Männer und Frauen - sie als Regierungschefin mitgezählt. Auf die Frage, ob es in NRW wieder Zeit für eine Ministerpräsidentin oder auch für eine CDU-Landesvorsitzende sei, sagte Scharrenbach: «Frauen stehen wie Männern alle Ämter offen». Und wäre sie selbst gerne die nächste Regierungschefin? «Jedes Amt hat seine Reize», sagte Scharrenbach.

LANDESDIENST: Zwar ist der Frauenanteil auf allen Leitungsebenen des Landesdienstes gestiegen. Aber in den beiden obersten Führungsetagen gab es 2017 nur etwa ein Viertel Frauen. Bei der Finanzverwaltung hat es einen Sprung nach vorn gegeben. Dort waren 2018 knapp 45 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt - 2012/2013 waren es nur 33,2 Prozent. Bei der Polizei in NRW sind nur 20 Prozent der Führungskräfte Frauen. Wesentliche Daten der Erhebung reichen nur bis zum Jahr 2017, so dass die jüngere Entwicklung unter der CDU/FDP-Landesregierung noch nicht erfasst wurde.

UNTERREPRÄSENTANZ MÄNNER: Überraschend ist laut Scharrenbach, dass Spitzenpositionen der Besoldung bei Richtern zu drei Vierteln mit Frauen besetzt seien. Außerdem waren 2017 über alle Schulformen hinweg fast zwei von drei Leitungen weiblich (64 Prozent). Allerdings leiten Frauen laut Scharrenbach fast ausschließlich Grundschulen, während an weiterführenden Schulen Männer die Führungspositionen dominierten.

KOMMUNALPOLITIK: Von mehr als 17 400 Mandaten in Räten und Kreistagen, die bei der Kommunalwahl 2020 vergeben wurden, sind nur 29 Prozent von Frauen besetzt. Von 427 hauptamtlichen Bürgermeistern, Landräten und Oberbürgermeisterinnen sind nur 60 Frauen (14 Prozent). Scharrenbach: «Da ist noch Luft nach oben.» In NRW sind von 31 Landräten nur 7 Frauen - immerhin 5 mehr als noch 2014. Nur in Halle in Westfalen sitzen gleich viele Männer und Frauen in der Kommunalvertretung. Schlusslicht ist Balve mit nur 6,3 Prozent Frauen.

QUOTE: Zwar sieht das derzeitige NRW-Gleichstellungsgesetz vor, dass Frauen in «wesentlichen Gremien» mit einem Mindestanteil von 40 Prozent vertreten sein müssen. In der Praxis aber sei das kaum umzusetzen, sagte Scharrenbach. Sie könne sich aber auch nicht vorstellen, dass das geplante Folgegesetz zur Chancengleichheit «ohne entsprechende Aussagen» zu einer Quote auskommen werde. «Seit 1996 diskutieren wir über den Anteil von Frauen in politischen Führungen», sagte die Ministerin. «Ich habe nicht vor, die nächsten 30 Jahre darüber auch noch zu diskutieren.»

STUDIUM: Der Frauenanteil bei Studierenden lag im Wintersemester 2019/20 bei 48,2 Prozent. Bei den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik waren 2017/18 rund 30 Prozent der Studenten weiblich (2012/13: 28,2 Prozent). Der Frauenanteil bei den MINT-Abschlüssen lag 2017 mit 31,56 Prozent etwas niedriger als 2012 (31,8 Prozent). Am häufigsten belegten Frauen Wirtschaftswissenschaften, Jura und Psychologie. Favoriten der Männer waren Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Maschinenbau.

SCHULE: Wie auch in den Vorjahren machten 2017 weniger Jungen (45,3 Prozent) als Mädchen (54,7 Prozent) das Abitur. Den Hauptschulabschluss machten dagegen mehr Jungen (59 Prozent) als Mädchen (41 Prozent).

AUSBILDUNG: In der Ausbildung finden Frauen weiterhin seltener den Weg in technische Berufe als Männer. «Fachinformatik zum Beispiel ist doch ein superspannender Beruf», sagte Scharrenbach. Auch Frauen müssten IT-Berufe ergreifen. «Digitalisierung darf kein Rückschritt bei der Verwirklichung von Gleichberechtigung sein.» Zukunftsberufe würden aber offenbar eher von Männern angenommen als von Frauen. Auch im Handwerk müssten mehr junge Frauen gewonnen werden - besonders auch bei Unternehmensnachfolgen. Am beliebtesten war bei Frauen 2017 immer noch die Ausbildung zur Bürokauffrau und zur medizinischen Fachangestellten, bei Männern zum Automechatroniker, Elektroniker und Fachinformatiker.

ERWERBSTÄTIGKEIT: 2017 arbeiteten knapp die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit (49 Prozent). Bei den Männern betrug die Teilzeitquote 9,8 Prozent.

LOHNLÜCKE: Der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern lag in NRW 2017 bei 22,2 Prozent. Grünen-Landeschefin Mona Neubaur und die DGB-Landesvorsitzende Anja Weber forderten, mit besseren Tarifverträgen die Lohnlücke zu schließen. In der «Rheinischen Post» schrieben sie, die Corona-Krise sei ein Brandbeschleuniger für die Ungleichheit bei den Gehältern. Vor allem Frauen seien in unterbezahlten Berufen beschäftigt, die zugleich aber systemrelevant seien. Fast jede dritte abhängig beschäftigte Frau in NRW arbeite zu einem Niedriglohn - also unter 11,21 Euro die Stunde.

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