Hamburg verlängert Lockdown: Kritik an Nachbarländern

11.02.2021 In Hamburgs Umland hellt sich der Corona-Lockdown etwas auf, Blumenläden, Zoos und Wildparks dürfen bald öffnen. Bürgermeister Tschentscher verteidigt dagegen die andauernden Einschränkungen. Seine Vertreterin Fegebank warnt vor einer «Lockerungskakophonie».

Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) gestikuliert. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ungeachtet einiger Öffnungsschritte in den benachbarten Bundesländern verlängert Hamburg den Corona-Lockdown praktisch unverändert. Die einzige Ausnahme sei die Öffnung der Friseurgeschäfte ab 1. März, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Donnerstag nach einer Sondersitzung des Senats. Die neue Verordnung sollte nach Angaben eines Sprechers bereits am Freitag in Kraft treten. «Weitere Lockerungsschritte sind jetzt nicht das Gebot der Stunde, so leid mir das tut», sagte Tschentscher unter Verweis auf die unsichere Lage wegen der Virusvarianten.

Auf die Frage nach dem unterschiedlichen Vorgehen der Nachbarländer betonte der Bürgermeister: «Wir haben uns alle zu diese Grundsätzen bekannt, dass wir die Lockdown-Maßnahmen fortsetzen müssen, und ich gehe davon aus, dass das auch alle Länder tun.» Die Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (Grüne) bekräftigte, dass Hamburg die Bund-Länder-Beschlüsse vom Mittwoch 1:1 umsetzen werde. Sie fügte hinzu: «Ich bin schon einigermaßen erstaunt über das Agieren einiger Landesregierungen in unserer Nachbarschaft.» Alle Länder täten gut daran, die gemeinsamen Beschlüsse ernstzunehmen. Fegebank warnte vor einem unterschiedlichen Vorgehen: «Dann kommen wir wieder in so eine Art Lockerungskakophonie.»

In Schleswig-Holstein sollen Zoos, Wildparks, Gartenbaucenter und Blumenläden zum 1. März öffnen. Das kündigte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Donnerstag im Landtag an. Gleiches gelte für bestimmte Sportmöglichkeiten auch innen sowie neben Friseursalons auch für Nagelstudios.

In Niedersachsen dürfen Blumenläden und Gartencenter von Samstag an wieder öffnen, wie die Staatskanzlei vor der Veröffentlichung der neuen Corona-Verordnung bestätigte. Für die Floristen kommt die Lockerung damit gerade noch rechtzeitig vor dem für die Branche wichtigen Valentinstag am 14. Februar. Ein Entwurf der überarbeiteten Verordnung sah neben der Öffnung der Blumenläden auch eine Lockerung der Kontaktregel für Kinder vor. Außerdem sollten Autohändler wieder öffnen dürfen, allerdings nur für Probefahrten.

Tschentscher will über Lockerungen erst sprechen, wenn die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen unter 35 liegt. Er begründete seine vorsichtige Haltung mit der möglichen Gefahr von Virusvarianten. Die britische Mutante B 1.1.7 sei nach Angaben des Robert Koch-Instituts in 5,8 Prozent der untersuchten Fälle festgestellt worden. Es gebe keine wissenschaftliche Herleitung für einen bestimmten Inzidenzwert, räumte Tschentscher ein. Aber die Wissenschaftler seien sich einig: «Je niedriger wir mit der Infektionszahl sind, umso sicherer sind wir auch, dass es nicht zu einer dritten Welle kommt.»

Bislang galt eine Inzidenz von 50 als kritische Schwelle, ab der die Behörden Kontaktbeschränkungen anordnen müssen. Die Grenzen von 50 und 35 seien nicht durch eine wissenschaftliche Herleitung entstanden, sagte Tschentscher. «Das sind Grenzen, die wir in diesem Spektrum an Möglichkeiten jetzt einfach gesetzt haben.»

Die Hamburger Inzidenz sank nach Angaben der Gesundheitsbehörde von 68,4 auf 66,8. Vor einer Woche hatte dieser Wert bei 74,2 gelegen. Das RKI nannte am Donnerstag eine Inzidenz von 58,1 für die Hansestadt.

Der Unternehmensverband UVNord kritisierte die Beschlüsse der Ministerpräsidenten und von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Fortsetzung des Corona-Lockdowns als «unausgegoren, ungerecht und unsystematisch». «Sowohl das Herangehen der Kanzlerin wie auch der verkrustete Föderalismus schaden dem Standort Deutschland massiv, in gesundheitlicher und in wirtschaftlicher Hinsicht», erklärte UVNord-Präsident Uli Wachholtz. So sei etwa nicht nachvollziehbar, warum Friseure Anfang März ihre Läden wieder öffnen dürfen, nicht aber Einzelhändler, die mit deutlich größeren Abständen und aufwendigen Hygienemaßnahmen den Schutz von Kunden gewährleisteten, betonte der Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein.

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