Viele Neuinfektionen in Rostock: Kein diffuses Geschehen

13.04.2021 Monatelang konnte die Hansestadt Rostock niedrige Infektionszahlen vorweisen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Ein Patient lässt vor einer Arztpraxis einen Abstrich machen. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Rostock ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Noch am
21. März hatte die Sieben-Tage-Inzidenz bei nur 22,0 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern gelegen - am Montag war sie nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lagus) bei 108,0 angelangt und hatte damit erstmals den kritischen Wert von 100 überschritten.

«Die dritte Welle ist übergeschwappt nach Rostock», sagte der Tropenmediziner Emil Reisinger am Dienstag. Er rechnet in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Zahlen. Für ihn sind Ausgangsbeschränkungen ein gutes Instrument, um die Zahl der Neuinfektionen zu senken. «So werden wir die dritte Welle etwas bremsen können.»

Reisinger sieht die privaten Bereiche als Treiber der Infektionen. Studien zufolge haben die Kontakte innerhalb des eigenen Haushaltes und gegenseitige Privatbesuche einen hohen Anteil an der Gesamtzahl der Neuinfektionen. Wesentlicher geringer seien die Kontakte bei der Arbeit und in der Schule zu bewerten.

Wie Stadtsprecher Ulrich Kunze am Dienstag sagte, kann das Gesundheitsamt die Übertragungswege noch weitgehend nachvollziehen, es gebe kein diffuses Infektionsgeschehen. «Wir haben keine großen Cluster.» Insbesondere Kinder, die keine Krankheitssymptome zeigten, schienen als Überträger des Virus in Frage zu kommen. Die hohe Inzidenz sei auch auf Nachmeldungen aus der vergangenen Woche zurückzuführen. Da habe es vergleichsweise viele unklare, etwa sehr schwach positive Testergebnisse gegeben, die laut Kunze Nachtestungen erforderlich machten.

Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hatte bereits am Montag gesagt, dass er das Rostocker Pilotprojekt zur Lockerung von Kontaktbeschränkungen weitergehen wolle. «Wir können aber nicht ignorieren, dass auch in unserer Stadt die Infektionszahlen steigen und die Auslastung der Kliniken und Intensivbetten zunimmt.» Kunze zufolge ist angesichts der Entscheidung der Bundesregierung zur Umsetzung der Corona-Notbremse von Dienstag noch kein weitergehender Beschluss für die Hansestadt gefallen.

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