Prognose: 600 bis 800 neue Lehrer pro Jahr benötigt

13.04.2021 Gesucht werden in MV vor allem Lehrerinnen und Lehrer für die Fächer Deutsch, Mathe und Englisch. Insgesamt müssen es in den kommenden Jahren jeweils Hunderte im Bundesland sein.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter an eine Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach einer Prognose des Bildungsministeriums müssen in den kommenden fünf Jahren jeweils 600 bis 800 Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern eingestellt werden. Dies geht aus der am Dienstag veröffentlichten Lehrerbedarfsprognose hervor, die das Ministerium dem Kabinett vorgelegt hat. «Mecklenburg-Vorpommern hat auch in den kommenden Jahren einen großen Lehrerbedarf, weil viele Lehrerinnen und Lehrer altersbedingt in den wohlverdienten Ruhestand gehen», erklärte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) in einer Mitteilung.

Nach Ministeriumsangaben wird diese Prognose alle fünf Jahre fortgeschrieben und ist an demografischen Rahmenbedingungen ausgerichtet, wie etwa der Entwicklung der Schülerzahl. Im gesamten Zeitraum der Prognose von 2021 bis 2035 geht das Ministerium, anders als in den vergangenen Jahren, von einem Rückgang der Schülerzahl aus und damit möglicherweise von weniger benötigten Lehrerstellen. Die Prognose zeige den ungefähren Einstellungsbedarf auf, in der Realität könne diese Zahl jedoch nach oben oder unten abweichen. Dies zeigen etwa die Zahlen für das kommende Schuljahr. Dann habe das Bundesland einen tatsächlichen Einstellungsbedarf von 505 Lehrkräften, um den Unterricht gewährleisten zu können. In der Prognose werden 714 Lehrkräfte genannt, 307 für Regionale Schulen, 182 für Gymnasien, 148 für Grundschulen und 77 für Förderschulen. Zu den 505 Lehrkräften könnten jedoch noch beispielsweise Vertretungslehrer hinzukommen.

Von 2017 bis 2020 seien landesweit insgesamt 2861 neue Lehrkräfte eingestellt worden. Im vergangenen Jahr waren es demnach mit 877 Neueinstellungen so viele wie noch nie in der Geschichte des Bundeslandes.

Nach Zahlen der Prognose hat sich die Altersverteilung bei den Lehrern an den Allgemeinbildenden Schulen im Bundesland in zehn Jahren stark verändert. Zum Schuljahr 2009/2010 waren nur zwei Prozent der Lehrer älter als 60 Jahre, zum Schuljahr 2019/2020 lag dieser Anteil bei 16,5 Prozent. Die 51- bis 60-Jährigen bildeten mit rund 44,5 Prozent gleichbleibend einen Anteil. Der Anteil der 41- bis 50-Jährigen sank in diesem Zeitraum hingegen deutlich von knapp 45 auf 13,6 Prozent. Bei den 24- bis 40-jährigen Lehrern stieg der Anteil hingegen von 8,8 auf rund 25 Prozent. «Die Zahlen zeigen, dass der Generationswechsel in den Lehrerkollegien der Schulen in Mecklenburg-Vorpommern längst begonnen hat», betonte Martin.

Immer wichtiger für den Schulalltag werden demnach Seiteneinsteiger. Mittlerweile sei jede dritte neue Lehrkraft Seiteneinsteiger im Nordosten, sagte Martin. Besonders gefragt sind den Angaben zufolge Englisch-, Deutsch- und Mathelehrer. Dies hänge jedoch auch damit zusammen, dass diese Fächer von der Stundenanzahl mehr unterrichtet werden als andere Fächer und daher auch mehr Personal notwendig sei.

Simone Oldenburg, Fraktionsvorsitzende der Linken, sprach angesichts der benötigten Lehrerstellen von einer Herkulesaufgabe. «Zusätzliche Lehrkräfte für die Beseitigung der coronabedingten Wissenslücken, der Förderung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler sind noch nicht einmal berücksichtigt», sagte die Oppositionspolitikerin.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach grundsätzlich von einer Verbesserung der Lehrkräftesituation im Land. Die Zahl der Lehrer werde der Größe des Personalbedarfs jedoch nicht gerecht. «Nach wie vor brauchen wir eine etwa 105 prozentige Personalausstattung für übliche Vertretungsbedarfe und weitere zusätzliche Stellen für die Grundausstattung einer guten inklusiven Schule», forderte der Landesvorsitzende Maik Walm.

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