Gewerkschaft: Bei MV Werften droht massiver Stellenabbau

09.02.2021 Die Corona-Krise hat den Kreuzfahrttourismus zum Erliegen gebracht. Der Abwärtsstrudel hat auch die Werften in Mecklenburg-Vorpommern erfasst, für deren Schiffe nun kein Bedarf mehr besteht. Noch wird auf Rettung gehofft - aber mit kleinerer Besatzung.

Blick auf das Werftgelände der MV Werften am Standort Stralsund. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei den MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund droht nach Gewerkschaftsangaben ein drastischer Personalabbau. Wie die IG Metall Küste am Dienstagabend mitteilte, hat die Geschäftsführung des finanziell angeschlagenen Werftenverbundes Verhandlungen dazu mit Betriebsräten und Gewerkschaft angekündigt. Zuvor waren die Beschäftigten in einer Video-Botschaft über die Pläne informiert worden. Einem NDR-Bericht zufolge, stehen 1200 von insgesamt 3100 Arbeitsplätzen zur Disposition. Die Leitung der zum asiatischen Genting-Konzern gehörenden Werftengruppe wollte sich am Abend nicht dazu äußern.

Genting Hongkong hatte die MV Werften 2016 übernommen, um Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf zu bauen. Aufgrund der Corona-Krise brachen die Kreuzfahrten jedoch weltweit weg und damit eine der wichtigsten Einnahmequellen des Konzerns. Der Bau bereits begonnener Schiffe wurde zeitweilig gestoppt, mit Hilfe staatlicher Kredite aber wieder in Gang gesetzt. In Wismar liegt eines der weltweit größten Passagierschiffe für bis zu 9500 Passagiere, Global 1, im Dock und in Stralsund harrt das Luxus-Kreuzfahrtschiff Endeavor 1 der Fertigstellung.

Die Werften versuchen seit dem Sommer, unter den Schutzschirm des Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes zu kommen. Es gehe um Kreditbürgschaften in Höhe von insgesamt etwa 450 Millionen Euro, hieß es. Zum Jahreswechsel war in einem ersten Schritt ein Kredit in Höhe von 193 Millionen Euro bewilligt und damit die drohende Insolvenz der MV Werften vorerst abgewendet worden. Um weitere Mittel zu bekommen, ist aber ein tragfähiges Konzept für die Fortführung des Schiffbaus nötig, das das Unternehmen bislang aber nicht vorlegen konnte. Dem Vernehmen nach ist die Anpassung der Personalstärke an die Auftragslage eine Voraussetzung für die Gewährung weiterer Kredite.

«Ein Kahlschlag ist mit uns nicht zu machen», betonte IG Metall- Bezirksleiter Daniel Friedrich. Werft-Leitung und Politik seien gefordert, Perspektiven für die Beschäftigten an allen drei Standorten aufzuzeigen. Genting müsse verbindliche Zusagen für weitere Aufträge machen. Denkbar seien auch andere Projekte wie etwa für die Offshore-Windindustrie oder die Marine. «Alle Alternativen - mit oder ohne Genting, auch mit staatlicher Beteiligung - müssen geprüft werden», forderte Friedrich. Zudem sei für die Gewerkschaft klar: «Wenn Mitarbeiter gehen müssen, dann nur zu angemessenen Bedingungen mit Transfergesellschaften und Abfindungen.»

Die AfD im Schweriner Landtag äußerte erneut Zweifel an den Erfolgsaussichten einer staatlich finanzierten Werften-Rettung. «Landesregierung und Regierungskoalition müssen aufhören, den Bürgern und sich selbst die Taschen voll zu lügen. Jobrettung auf Steuerzahlerkosten ist weder rentabel noch zukunftsfähig», erklärte Fraktionschef Nikolaus Kramer.

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