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Corona-Krise: Notbetreuung für Kinder wird ausgeweitet

27.03.2020 - Hessen rechnet mit steigenden Zahlen von Covid-19-Fällen in den Krankenhäusern. Damit Ärzte, Sanitäter und Pfleger möglichst voll einsatzfähig sind, sorgt das Land vor.

  • Ein Schild mit der Aufschrift «Anmeldung Notbetreuung» steht auf dem Gelände einer Grundschule. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild mit der Aufschrift «Anmeldung Notbetreuung» steht auf dem Gelände einer Grundschule. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Während die Corona-Krise Hessen fest im Griff hat, rüstet sich das Land für eine drohende Verschärfung der Lage. Da möglicherweise künftig immer mehr Schwerkranke in den Krankenhäusern behandelt werden müssen, wird die Notbetreuung an den Kitas und Schulen ausgeweitet. Das Angebot gilt für Kinder von Eltern, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind und dringend an ihrem Arbeitsplatz gebraucht werden.

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Hessen stieg am Freitag im Vergleich zum Vortag um 222 Fälle auf 2392 (Stand 14.00 Uhr). Mehr als 500 Menschen liegen wegen der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 im Krankenhaus, wie das Sozialministerium mitteilte. 88 lagen auf Intensivstationen und wurden beatmet. 34 weitere brauchten zwar ein Intensivbett, mussten aber nicht beatmet werden. Nach Angaben des Ministeriums erhöhte sich die Zahl der Todesfälle, die auf den Erreger Sars-CoV-2 zurückgeführt werden, um einen Fall auf sieben.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) warnte davor, die Corona-Regeln zu früh zu lockern. Um Ostern herum werde die Zeit sein, zu der man mit Blick auf die Entwicklung der Infektionszahlen über eine mögliche weitere Strategie nachdenken könne, sagte er in Wiesbaden. «Wenn diese Vollbremsung, die wir gemeinsam hingelegt haben, einen Sinn haben soll, dann darf man auf keinen Fall zu früh wieder anfangen, locker zu werden in den Maßnahmen.» Dann laufe man Gefahr, eine zweite Welle auszulösen.

Die wichtigsten Themen des Tages zu Covid-19 im Überblick:

NOTBETREUUNG AN SCHULEN UND KITAS

Die Notbetreuung an Schulen und Kindertagesstätten wird speziell für Kinder berufstätiger Eltern aus dem Gesundheitswesen ausgeweitet. Das kündigten Klose und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) an. Für diese Kinder gebe es zusätzlich an Wochenenden und den Osterfeiertagen ein Angebot. Dies gilt für Alleinerziehende und Familien, in denen mindestens ein Elternteil im Gesundheitswesen oder Rettungsdienst arbeitet und das zweite in einem bestimmten Schlüsselberuf, wozu beispielsweise Polizisten, Richter oder Apotheker zählen.

Die bereits laufende Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in bestimmten Schlüsselberufen arbeiten, werde es auch an den Ferientagen unter der Woche geben, erläuterte ein Sprecher des Kultusministeriums. Die Regelungen gelten ab 4. April und zunächst bis 19. April. «Wir reagieren damit vorausschauend auf die Entwicklung, die vermutlich vor uns liegen wird - nämlich die steigende Zahl der an Covid-19 ... erkrankten Personen», erläuterte Klose.

KRANKENHÄUSER BEREITEN SICH WEITER VOR

In den hessischen Krankenhäusern sind nach Angaben von Klose aktuell 10 500 Betten frei. Das seien deutlich mehr als sonst im Durchschnitt, sagte der Minister. Hinzu kämen mehr als 600 freie Betten mit einer Beatmungsmöglichkeit und über 400 mit der Möglichkeit einer intensivmedizinischen Überwachung. Die freien Kapazitäten seien die Folge der vor zwei Wochen getroffenen Entscheidung, planbare Operationen zu verschieben.

WIE SIEHT ES IM STARK BETROFFENEN HERBORNER HEIM AUS?

Nach der bestätigten Coronavirus-Infektion einer Altenpflegeheim-Mitarbeiterin im mittelhessischen Herborn sind weitere Beschäftigte und mehrere Bewohner positiv auf den Erreger getestet worden. Infiziert seien sieben Bewohner sowie drei Mitarbeiter, teilte der Lahn-Dill-Kreis mit. Darunter befinde sich auch die zuerst getestete Mitarbeiterin. «Die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner sind isoliert in ihren Zimmern im Altenpflegeheim untergebracht und werden dort medizinisch durch ihre Hausärzte betreut», teilte der Kreis weiter mit. Sechs zeigten milde Symptome, eine Person sei bereits am Vortag in eine Klinik gekommen.

CORONA BREMST VERKEHR WEITER AUS

Nachdem das soziale Leben stark eingeschränkt wurde, hat der Verkehr auf den Autobahnen deutlich abgenommen. Hessen Mobil bezifferte den Rückgang je nach Autobahn auf 30 bis 50 Prozent. Der Lastwagenverkehr sei deutlich weniger zurückgegangen als der Pkw-Verkehr. «Das zeigt, dass die Versorgung mit Waren und Gütern gesichert ist.» Experten rechnen mit sinkenden Schadstoffwerten in der Luft. Vor allem die Konzentration von Stickstoffdioxid habe seit Donnerstag vergangener Woche (19. März) stark abgenommen, sagte eine Sprecherin des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

CORONA BREMST WIRTSCHAFT WEITER AUS

Die Krise hat die hessische Wirtschaft nahezu vollständig erreicht. Nach einer Umfrage des hessischen Industrie- und Handelskammertages spüren 92 Prozent der Unternehmen Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Drei Viertel der Betriebe rechnen demnach mit Umsatzverlusten über zehn Prozent, jede vierte Firma sogar mit mehr als 50 Prozent. Mehr als 1100 Unternehmen hatten sich an der Umfrage beteiligt. Zu schaffen machten den Betrieben vor allem die sinkende Nachfrage, stornierte Aufträge, der Stillstand der Geschäftstätigkeit und Liquiditätsengpässe. Die Lufthansa meldete Kurzarbeit für tausende ihrer Mitarbeiter in Deutschland an.

GASTSTÄTTEN UND RESTAURANTS STELLEN GESCHÄFT UM

Im Kampf um ihre Existenz bauen viele Gastronomen in Hessen Lieferdienste auf. Der abrupte Einstieg in das Geschäft stellt die Wirte vor Herausforderungen: «Das Schwierigste war, die Touren zu planen», berichtete etwa der Gießener Gastronom Shadi Souri. Seit gut einer Woche müssen Lokale in Hessen geschlossen bleiben. Erlaubt ist aber noch, Speisen abzugeben und zu bringen.

KEINE PRÜFUNGEN FÜR AZUBIS

Azubis bekommen bei den Berufsabschlussprüfungen wegen der Corona-Krise mehr Zeit. Die Industrie- und Handelskammern haben die für April und Mai geplanten schriftlichen Berufsabschlussprüfungen für Auszubildende in den Sommer 2020 verschoben. Das teilte die IHK Offenbach mit. Teilnehmer, die im Frühjahr 2020 für die Abschlussprüfung Teil 1 angemeldet waren, können ihre Prüfung im Herbst 2020 nachholen.

WÄHLEN NUR NOCH PER BRIEF

In der osthessischen Gemeinde Wildeck findet eine historische Bürgermeisterwahl statt. Es ist der erste Urnengang ohne Stimmabgabe in Wahllokalen, das Ergebnis wird am Sonntag nur anhand der Briefwahl ermittelt. Angeordnet hat dies wegen der Corona-Krise der Landkreis Hersfeld-Rotenburg, wie ein Behördensprecher in Bad Hersfeld mitteilte. Die Grundlage für den ungewöhnlichen Schritt gibt das Infektionsschutzgesetz.

LANDESVERWALTUNG KONFERIERT PER VIDEO

In der Corona-Krise besonders wichtig: Den Dienststellen des Landes stehen knapp 100 Videokonferenzsysteme zur Verfügung. Das geht aus einer Antwort des Digitalministeriums auf eine parlamentarische Anfrage im Landtag hervor. Daneben wurde aktuell die Zahl der Lizenzen für «Face-to-Face oder Ad-hoc-Konferenzen» der Anwendung HessenConnect von 2800 auf etwa 5000 erhöht, wie ein Sprecher ergänzte. Der Arbeitseinsatz der Beschäftigten werde derzeit über Pandemiepläne geregelt.

FORSCHER SIND IMPFSTOFF AUF DER SPUR

An der weltweiten Suchen nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 beteiligen sich auch Gießener Wissenschaftler. Die EU unterstütze das Projekt «Opencorona», das unter Federführung schwedischer Forscher steht, für zwei Jahre mit voraussichtlich drei Millionen Euro, teilte die Hochschule mit. Das Team um Prof. Weber untersucht in Zellkulturen, wie das angeborene Immunsystem auf verschiedene Impfstoffkandidaten reagiert.

Binnen einer Woche haben Bürger, Unternehmer und Institutionen eine Million Euro für den Corona-Fond der Frankfurter Goethe-Universität gespendet. Das Geld soll vor allem der Forschung und Entwicklung in Virologie und Intensivmedizin zugute kommen.

KIRCHEN SPENDEN TROST

Als hörbares Zeichen zum Zusammenhalt in der Corona-Krise sollen am Samstagabend (28. März) um 19.30 Uhr für fünf Minuten die Glocken zum Gebet läuten. An dieser Aktion beteiligen sich unter anderem die Bistümer in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, wie das Bistum Fulda mitteilte. Die Online-Angebote mit Gottesdiensten und geistlichen Impulsen des Bistums sind in den vergangenen beiden Wochen mehr als 30 000 Mal aufgerufen worden. Wegen der Corona-Pandemie finden derzeit keine öffentlichen Gottesdienste statt.

PRO ASYL FORDERT ABSCHIEBESTOPP

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat einen generellen Abschiebungsstopp wegen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus gefordert. Betroffene müssen davor geschützt werden, in Länder mit schlechten Gesundheitssystemen abgeschoben zu werden, in denen die Auswirkungen von Corona katastrophal werden können oder bereits sind, hieß es. Konkret bezog sich Pro Asyl auf eine bevorstehende Abschiebung zweier Frauen in den Iran, der als eines der weltweit größten Risikogebiete der Coronavirus-Pandemie gilt.

AUFRUF ZUM FRIEDEN IN ZEITEN VON CORONA

Das Coronavirus verhindert in diesem Jahr die traditionellen Ostermärsche der Friedensbewegung. Die Auflagen zur Eindämmung der Pandemie «machen eine Durchführung von Veranstaltungen oder Demonstrationen unmöglich», teilten die Organisatoren mit. Viele Initiativen riefen dazu auf, über Ostern zum Beispiel Friedenszeichen, Banner, Fahnen und Symbole aus den Fenstern zu hängen, an Autos, Fahrrädern und Jacken zu befestigen.

DARMSTÄDTER FUßBALLFANS MÜSSEN LÄNGER AUF STADION WARTEN

Wegen der Corona-Krise verzögert sich der laufende Umbau der Heimstätte des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98. Vereinspräsident Rüdiger Fritsch kündigte in einem Interview der «Frankfurt Allgemeine Zeitung» an, dass der ab Mitte Mai geplante Abriss und Neubau der Haupttribüne im Merck-Stadion am Böllenfalltor auf unbestimmte Zeit verschoben werden müsse, «allein weil die Saison Mitte Mai vermutlich nicht zu Ende sein wird».

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