Beratung über Lockerung: Landkreis für landesweite Öffnungen

05.03.2021 Nach der Bund-Länder-Konferenz berät das Brandenburger Kabinett über die Lockerungsschritte der Corona-Beschränkungen. Der Chef des Landkreistages spricht sich gegen regional beschränkte Lösungen aus.

Wolfgang Blasig, Landrat und Vorsitzender des Landkreistags Brandenburg, spricht. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Vorsitzende des Landkreistages, Wolfgang Blasig (SPD), hält landesweite Lockerungen der Corona-Beschränkungen für die beste Lösung. «Wir haben in der Mitte eine sehr große kreisfreie Stadt - und dort werden die Öffnungsschritte natürlich stadtweise passieren», sagte Blasig der Deutschen Presse-Agentur vor der Entscheidung im Kabinett am Freitag mit Blick auf Berlin. «Vor diesem Hintergrund - Brandenburg umschließt ja diese Stadt - ist Brandenburg gut beraten, auch die Regelung landesweit umzusetzen.» Ein Tourismus zwischen Kreisen oder Bundesländern sollte verhindert werden.

Das Kabinett beriet am Freitagnachmittag über die neue Eindämmungsverordnung. Dabei sollte voraussichtlich festgelegt werden, dass sich die Öffnungen von Geschäften und Museen an der landesweiten Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen orientieren soll - und nicht an der Infektionslage in den einzelnen Landkreisen oder kreisfreien Städten.

Bund und Länder hatten am Mittwoch kleine Öffnungsschritte je nach Entwicklung der Corona-Ansteckungen beschlossen. Wenn die Zahl neuer Infektionen zwischen 50 und 100 pro 100 000 Einwohner in einer Woche liegt, soll demnach ab Montag (8. März) der Einkauf im Einzelhandel und der Besuch von Museen mit Termin erlaubt werden. Der Wert dieser 7-Tage-Inzidenz lag für ganz Brandenburg am Freitag bei knapp 63, in den Kreisen schwanken die Zahlen aber zwischen 26 in Brandenburg/Havel und fast 122 im Kreis Oberspreewald-Lausitz.

Die geplanten kostenlosen Corona-Schnelltests für jeden Bürger sind nach Ansicht der Brandenburger Landkreise eine riesige logistische Herausforderung. «Irgendwie geht alles, aber von heute auf morgen jedem Menschen in Brandenburg einen Schnelltest anzubieten einmal die Woche - das ist nicht zu administrieren», sagte Blasig. «Aber mit Unterstützung der Apotheken, der Arztpraxen et cetera und schon vorhandener kleiner Zentren wird es möglich sein, zumindest den sich am Anfang ergebenen Bedarf zu befrieden.»

In Potsdam haben die Bürger bereits seit Montag die Möglichkeit, sich in mittlerweile zehn Apotheken und sechs Testzentren unentgeltlich auf das Coronavirus testen zu lassen. Hinzu kommen systematische Tests an drei ausgewählten Schulen. Der Landkreis Uckermark will in der kommenden Woche in Angermünde, Prenzlau, Schwedt und Templin vier Testzentren öffnen, in denen sich alle Einwohner nach Online- bzw. telefonischer Anmeldung unentgeltlich auf das Coronavirus testen lassen können.

In Brandenburg haben bisher rund 123 000 Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten. Mit dem Anteil der Erstimpfungen an der Bevölkerung von 4,9 Prozent liegt das Land im bundesweiten Vergleich weiter an letzter Stelle. Knapp 77 000 Brandenburger haben eine zweite Impfung bekommen - mit der Impfquote von 3 Prozent liegt das Land dort über dem Bundesschnitt. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg forderte die Bundesregierung auf, die Impfverordnung umgehend zu ändern, damit das Impfen auch in Arztpraxen und ambulanten Einrichtungen möglich ist. Am Mittwoch ist in Brandenburg ein Modellversuch angelaufen.

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